Serie "Goldratt und die TOC" Teil 70: Wie überzeuge ich die Anderen? (Forts.)

Schicht 4: Ja, aber …

Auszug aus "Goldratt und die Theory of Constraints" von Uwe Techt.

 

Befürchtung, dass die Lösung zu neuen negativen Nebeneffekten führt


Nachdem die Lösung entwickelt und im Zukunftsbaum dargestellt wurde, muss sie kommuniziert und „verkauft“ werden. Selbst wenn wir dabei eine generelle Zustimmung zur präsentierten Lösung erhalten, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir Äußerungen hören werden, die mit den Worten: „ja, aber…“ beginnen werden.

Fast jede Veränderung hat neben ihren positiven Wirkungen auch  unerwünschte Nebenwirkungen (auch hier ist das Bild von der „Injektion“ des Arztes gültig; keine Behandlung ohne „Risiken und Nebenwirkungen“). Wird im Veränderungsprozess der Lösung auch im Großen und Ganzen zugestimmt, so können und müssen diese ungünstigen Nebenwirkungen danach zur Diskussion stehen. Es sind wiederum „Ja, aber ...“-Argumente, die den Widerstand kennzeichnen, und diese müssen sorgfältig diskutiert werden. Was heißt dieses „ja, aber ...“ genau? Üblicherweise wird „ja, aber ...“ als Killerargument verstanden und daher oft mit Hilfe von Diskussionsregeln aus der Kommunikation verbannt.

Die TOC dagegen betrachtet „Ja, aber ...“ dagegen als positives Signal: „JA, mit der Lösung bin ich einverstanden. ABER ich befürchte negative Nebeneffekte.“

Erste Aufgabe ist es, die Argumente zu verstehen. Zu klären ist, auf welchen Aspekt der Lösung sich der Einwand bezieht (auf welche „Stelle“ im Zukunftsbaum) und welche Nebeneffekte erwartet und befürchtet werden. Die zweite Aufgabe ist die Klärung, weshalb – nach Meinung der Person, die den Einwand formuliert – aus der Lösung zwangsläufig der negative Nebeneffekt resultiert.

Negative Nebeneffekte

Danach identifizieren wir – ggf. wieder durch Nutzung der Dilemma-Wolke – weitere Injektionen, die erforderlich sind, um anstelle des befürchteten negativen Nebeneffekts eine gewünschte positive Auswirkung zu erzeugen.

Hat der Prozess diese vierte Schicht durchlaufen, ist die Strategie unstrittig entwickelt. Alle Beteiligten wurden in den Prozess einbezogen. Ihre Einwände, Bedenken und Befürchtungen wurden ernst genommen. Ihre Widerstände haben geholfen, das Ergebnis zu verbessern. Vor allem: Alle Beteiligten sind sich über die Strategie und die Vision detailliert einig.

Posted from Sandra Schmadtke, 08.06.2010 00:00