Auszug aus "Goldratt und die Theory of Constraints" von Uwe Techt.
Jeder, der eine von ihm erdachte Strategie oder Problemlösung umsetzen möchte, sieht sich einem Dilemma gegenüber: Soll er seine begrenzte Zeit dafür verwenden, die Lösung perfekt und in allen Einzelheiten auszuarbeiten und darzustellen oder soll er lieber daran arbeiten, die Zustimmung und Mitwirkung aller Betroffenen und Beteiligten zu erhalten?
Oft glauben wir, dass die perfekte Ausarbeitung einer Idee den Widerstand automatisch verringern wird. Aber genau diese Annahme führt dazu, dass wir die Augen gegenüber möglichen Widerständen verschließen und dadurch nicht vorbereitet sind, wenn diese plötzlich auftreten.
Widerstände sind Zeichen dafür, dass alte und neue Paradigmen aufeinandertreffen: Der ungeschriebene Orientierungsrahmen für Planungen, Entscheidungen und die Umsetzung der Pläne wird berührt. Wer solche Grundsätzlichkeiten verändern will, muss zwangsläufig mit Widerständen rechnen.
Es ist ein entscheidender Kunstgriff von Goldratt, diese Widerstände nicht zu bekämpfen. Er nutzt sie für den Veränderungsprozess als elementare Hilfe. Widerstände sind sinnvolle und notwendige Beiträge zu Prozessen der Entwicklung, der Veränderung und Verbesserung – und müssen deshalb ernst genommen werden. Sie sind der Schlüssel, eine Strategie, um neue Paradigmen zu entwickeln und zu implementieren. Ohne diese Widerstände, sagt Goldratt, ist ein Veränderungsprozess nicht möglich. Folglich wird in einem Veränderungsprozess, der sechs „Schichten“ durchläuft, zu keiner Zeit gegen den Widerstand argumentiert und gearbeitet. Noch weniger wird ein fertiges Konzept durchgesetzt. Widerstände sind vielmehr Ausgangspunkte für Lösungen und Ergebnisse.
Anders ausgedrückt: Zuerst wird die Lösung durch den „Erfinder“ ausgearbeitet, aber dann wird sie unter Einbeziehung der Betroffenen systematisch überprüft. Dabei werden „Widerstände“ nicht als etwas Problematisches, sondern als wertvolle Beiträge zur Verbesserung der Lösung und ihrer Umsetzbarkeit betrachtet.
Was soll geändert werden?
Schicht 1: Fehlende Übereinstimmung zum Problem (zu den Schwierigkeiten und ihren Ursachen)
Wie sieht die Zukunft aus?
Schicht 2: Fehlende Übereinstimmung zur grundsätzlichen Problemlösung (wie sieht die neue „Ursache“ aus?)
Schicht 3: Fehlende Übereinstimmung, dass die Lösung zu den gewünschten positiven Wirkungen führt (und dabei die Schwierigkeiten aus Schicht 1 beseitigt)
Schicht 4: Befürchtung, dass es neben den gewünschten positiven Wirkungen auch negative Nebeneffekte gibt, die möglicherweise ebenso schlecht oder sogar noch schlimmer sind als die ursprünglichen Schwierigkeiten.
Wie soll die Veränderung realisiert werden?
Schicht 5: Befürchtung, dass es unüberwindbare Hindernisse und Stolpersteine gibt, so dass die neue Ursache nicht gesetzt werden kann.
Schicht 6: Keine Handlung trotz ausdrücklicher Zustimmung