Auszug aus "Goldratt und die Theory of Constraints" von Uwe Techt.
Wie groß muss der Bestand sein?
Wenn wir alle Kundenwünsche befriedigen wollten, müsste der Bestand unendlich sein. Das ist nicht möglich. Aber wir können und müssen schätzen, welche Waren wann verkauft werden. Das ist der erste Einflussfaktor für die Höhe der Bestände.
Beispiel: das Produkt wird durchschnittlich dreimal pro Woche verkauft. Es kommt aber auch vor, das zehn Stück pro Woche über den Ladentisch gehen.
Der zweite Faktor ist die Wiederbeschaffungszeit. Wenn sie sehr klein ist, dann ist es nicht erforderlich, einen größeren Bestand am Lager zu haben. Wenn die Wiederbeschaffungszeit aber groß ist, dann müssen wir uns ein größeres Lager dazu anlegen, damit wir nicht Gefahr laufen, ausverkauft zu sein.
Beispiel: Wir bestellen alle zwei Wochen. Und dann dauert es noch ein bis zwei Wochen bis die Lieferung eingeht.
Der dritte Einflussfaktor ist die Zuverlässigkeit des Lieferanten.
Beispiel: Meistens liefert der Großhändler innerhalb von fünf Tagen. Aber es kommt auch vor, dass es einen Monat dauert.
Aus diesen drei Faktoren können wir den notwendigen Bestand im Geschäft ermitteln: Maximaler Verbrauch innerhalb der Wiederbeschaffungszeit – erhöht um einen Unzuverlässigkeits-Faktor für die Beschaffung.
Angenommen, es wäre möglich, die Wiederbeschaffungszeit drastisch zu senken – sagen wir auf zwei Tage – und gleichzeitig die Zuverlässigkeit des Lieferanten auf fast 100 % zu steigern. Welche Auswirkungen hätte das?
Unser Händler könnte seinen Bestand radikal senken: 10 Stück pro Woche maximaler Verbrauch * 0,4 Wochen Wiederbeschaffungszeit = 4 Stück.
Unmöglich? Schauen wir uns die Wiederbeschaffungszeit genauer an:
Die Wiederbeschaffungszeit …
… setzt sich aus drei Elementen zusammen:
Order lead time
Production lead time
Transportation lead time
Order lead time
Die „Order lead time“ ist die Zeit, die zwischen den einzelnen Bestellungen eine Produktes vergeht. Die „Order Lead time“ wird beeinflusst durch
den eigenen Aufwand, den man selbst betreiben muss, um einen Auftrag zu erteilen. Dieser Aufwand verleitet dazu, mehrere kleine Aufträge zu einem großen Auftrag zusammen zu fassen.
Vorgaben, die vom Lieferanten gemacht werden, zum Beispiel die Tatsache, dass für größere Aufträge ein Rabatt gegeben wird während für kleine Aufträge vielleicht sogar ein Mindermengenzuschlag erhoben wird. Auch dies verleitet dazu, mehrere kleine Aufträge zu einem großen Auftrag zusammen zu fassen.
Beide Mechanismen vergrößern die „Order Lead time“.
Production lead time
Die „Production lead time“ ist der Zeitraum zwischen dem Auftragseingang beim Lieferanten und der Auslieferung durch den Lieferanten. Dieser Zeitraum setzt sich im Wesentlichen zusammen aus
der Zeit, die der Auftrag darauf wartet, bearbeitet zu werden (wenn ein Auftrag eingeht, sind auch noch eine Menge anderer Aufträge zu bearbeiten bzw. gerade in Bearbeitung. Es kann also eine ganze Zeit vergehen zwischen Auftragseingang im Werk und Auftragsfreigabe in der Produktion) und
der Zeit, die tatsächlich für die Bearbeitung des Auftrages gebraucht wird.
Transportation lead time
Die „Transportation lead time“ ist der Zeitraum zwischen der Auslieferung durch den Lieferanten und dem Eingang der Lieferung beim Besteller.