Serie " Goldratt und die TOC" Teil 44: Wir haben zu hohe Bestände...aber oft auch zu wenig! (Forts.)

Auszug aus "Goldratt und die Theory of Constraints" von Uwe Techt.

Wir haben zu hohe Bestände … aber oft auch zu wenig!

Sie stehen im Laden, Ihnen gefällt ein T-Shirt, genau dieses in blau … aber ausgerechnet in Ihrer Größe ist es nicht da. Kommt Ihnen das bekannt vor? Oder aus anderer Perspektive: die Lager sind voll … aber ausgerechnet das, was Sie jetzt brauchen, fehlt. Oder aus noch anderer Perspektive: Ihr Kunde schickt Ihnen dringende Bestellungen, Sie stellen Ihre Produktion um … kurz danach besuchen Sie ihn und finden volle Lager mit den Dingen, die Sie so dringend produzieren mussten und die nun niemand weiter verarbeitet?

Wie kann das Distributions-System so gemanagt werden, dass die richtigen Bestände zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind?

Dilemma: großes oder kleines Lager?

Jedes Einzelhandelsunternehmen – aber auch viele andere Unternehmen, die als Händler oder Verarbeiter in eine Logistik-Kette eingebunden sind – befindet sich in folgendem Dilemma:

Einerseits: Um profitabel zu arbeiten, muss dafür gesorgt werden, dass die Nachfrage von Kunden immer erfüllt werden kann. Und um die Nachfrage vom Kunden stets erfüllen zu können, muss ein hoher Warenbestand vorhanden sein, weil

  • die Wiederbeschaffungszeiten lang sind,
  • der Bedarf nicht genau vorhergesagt werden kann,
  • die Lieferanten nicht immer vollkommen zuverlässig arbeiten.

Andererseits: Um profitabel zu arbeiten, müssen Kosten gesenkt werden. Und um Kosten zu senken, darf nur ein geringer Warenbestand vorhanden sein, weil hohe Bestände

  • eine hohe Kapitalbindung bedingen
  • den Cash flow limitieren

Das Dilemma

 

Für dieses Dilemma gibt es keine sinnvolle Kompromisslösung: ein höherer Warenbestand erzeugt Nachteile, ein geringerer Warenbestand erzeugt auch Nachteile.

Um hierzu eine Lösung entwickeln zu können, ist es erforderlich, das Problem tiefer zu verstehen …

Was ist Distribution?

Die charakteristischen Kennzeichen von Distribution sind:

  • Die Waren / Produkte … werden an einem anderen Ort benötigt als am Ort der Produktion.
  • Die Zeit, die der Kunde auf die Ware zu warten bereit ist, ist deutlich kürzer als die Zeit, die erforderlich ist, um die Ware (falls sie nicht direkt verfügbar ist) für den Kunden verfügbar (und damit kaufbar) zu machen.
  • Aus diesem Grund wird entschieden, die Ware dort, wo der Kunde sie benötigt, durch den Aufbau von Beständen verfügbar zu machen.

An diesen Kennzeichen wird deutlich, dass wir über Distribution nicht nur sprechen, wenn es um den Vertrieb von Produkten geht. Die Mechanismen sind dieselben, wenn wir uns in einer Kette voneinander abhängiger Produzenten oder Werke befinden.

Posted from Sandra Schmadtke, 24.11.2009 00:00